Vortrag zu den Mechanismen der transgenerationalen Weitergabe von Traumata und kollektivem Gedächtnis 22.05.2019 19:00

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Vortrag zu den Mechanismen der transgenerationalen Weitergabe von Traumata und kollektivem Gedächtnis

22.5.19
Beginn 19:00 Uhr
Einlass ist bereits um 18 Uhr um Gelegenheit zu haben sich die Ausstellung: “wir kamen, sahen, schwiegen” Kunst zwischen Flucht, Heimat und Einsamkeit anzuschauen.

Erinnerungen an Flucht und Vertreibung können trennen oder verbinden.
Sie können sich aufdrängen oder der Wahrnehmung entziehen. Was wir
nicht wahrnehmen, kann trotzdem wirken, sich in nahen Beziehungen
wiederholen oder im Körper zum Ausdruck kommen. Die zweite und dritte
Generation leidet nicht mehr an Erinnerungsbildern, sondern an schwer
greifbarer Unsicherheit, Verstimmungen, Schuldgefühlen, vielleicht
einem Gefühl der Heimatlosigkeit oder einfach an der tiefen
Verunsicherung, den wahren Ursprung ihrer Beziehungs- und
Gesundheitsthemen vergessen zu haben. Das Schweigen zementiert die
Gewaltverhältnisse und schützt die Täter. Schweigen erlaubt Krieg und
Gewalt - einen scheinbaren Frieden zwischen Opfern und Tätern. Der Weg
der Aufarbeitung verläuft spiralförmig, auf jeder neuen Ebene auf
bekanntem Boden, auf dem Boden der eigenen und kollektiven Geschichte.
Er thematisiert die genetischen, biologischen, psychologischen und
gesellschaftlichen Übertragungsprozesse von Generation zu Generation.
Die Erfahrung kulturübergreifender Ähnlichkeit individueller
Fluchterfahrungen wird beleuchtet und diskutiert.

Über den Vortragenden:
Oliver Schubbe, Dipl.-Psych., arbeitet als Verhaltens- und
Familientherapeut in eigener Praxis und leitet seit 1990 das Institut
für Traumatherapie, dessen Team über 5000 Fachleute in Deutschland,
Österreich, der Türkei, Griechenland und Lettland ausgebildet hat.
Seither hat er sich mit Ebenen und Facetten menschlicher und speziell
auch traumatischer Erinnerungen beschäftigt.