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Wir kamen, sahen, schwiegen
Kunst zwischen Flucht, Heimat und Einsamkeit
1945, 1958, 2015
Ausstellung vom 8.3. – 25.5. 2019
Vernissage: 8.3. um 19-22 Uhr

Die Ausstellung erfolgt mit freundlicher Unterstützung des Ostpreußischen Landesmuseums Lüneburg und 17_3_17 Verein der Förderer des Austauschs deutscher und syrischer Kultur e.V.

Erschaffen Menschen, die Flucht erfahren haben, ähnliche Bilder? Egal in welcher Generation oder mit welchem kulturellen Hintergrund? Das ist die Frage, die dieser besonderen Ausstellung zu Grunde liegt. Kulturschöpfer zeigt Werke von KünstlerInnen, die Flucht am eigenen Leib erfahren haben und ihre Erlebnisse, zum Teil erst Jahrzehnte später, in Bildern festgehalten haben.

Wir freuen uns sehr, KünstlerInnen wie Mohammad Al Helal oder Basheer Boti zu zeigen, die ihre syrische Heimat verlassen mussten, sowie Ludwig Sasse, der 1958 aus der DDR nach Westdeutschland flüchtete und KünstlerInnen wie Gertrud Lerbs, Gerhard Bondzin oder Eduard Bischoff, die 1945 aus Ostpreußen und Pommern nach Westen flüchteten.

Unterstützen Sie dieses Projekt —> www.betterplace.org/p68513 

Wiederkehrende Motive:

Als die Initiatorin dieser Ausstellung, Therese Berg, mit diesem Projekt begann, war sie zunächst skeptisch. Würde sich ihre Vermutung, dass Künstler, die Flucht erfahren haben, tatsächlich ähnliche Motive in ihren Werken verarbeiten, bewahrheiten? Doch schon nach relativ kurzer Recherche, war sie überrascht und beeindruckt, dass sich gewisse Motive tatsächlich wiederholten, zum Teil bis in die Details. Es sind Motive wie: einsam auf weiter Flur, Menschenmengen, die teilnahmslos nebeneinander stehen, oder Menschen, die Sterbende im Arm halten. Aber auch eine Körperhaltung, die Verzweiflung und Erschöpfung ausdrückt, kehrt immer wieder.

Es sind Motive von tiefer Menschlichkeit, die Jedem widerfahren, der sich in großer Angst und Ungewissheit befindet. Der kulturelle Hintergrund oder die Zeit in der das Ereignis geschehen ist, spielen dabei so gut wie keine Rolle mehr.

Die Zeitlosigkeit von Leid und das Verschwinden von kultureller Prägung im Angesicht von Angst wird in dieser Ausstellung deutlich. Und macht die Ausstellung so zu einem besonderen Ereignis, was es in dieser Form in der kulturellen Landschaft Berlins selten gibt.





Noch eine Ausstellung zum Thema Flucht? Die Intention dieser Ausstellung:

Wir erleben im Alltag leider eine Art Ermüdung der anfänglichen Toleranz geflüchteten Menschen gegenüber. Wir alle merken, dass Integration von Fremdem aktives Bemühen von allen Seiten bedarf. Sei es Verständnis, Geduld, Humor oder Toleranz, jeder Mitbürger ist aufgerufen seinen Teil zu einem friedlichen Miteinander zu leisten. Diese Ausstellung will einen Teil dazu beitragen, dass diese friedliche Miteinander gelingt, indem sie eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart schlägt.

Der Blick in die Vergangenheit ist oft sehr hilfreich, um zu verstehen, dass Flucht und Vertreibung in jedem Menschen zu jeder Zeit und in jeder Kultur ähnliche Traumata auslöst. Wenn diese unverarbeitet bleiben, auch nach Jahrzehnten, können sie leicht in Intoleranz und Angst Fremden gegenüber umschlagen.

Wir von Kulturschöpfer fänden es wunderbar, wenn die verschiedenen Generationen und Kulturen durch die Ausstellung in einen Austausch kommen, dass Flucht und Vertreibung auf der ganzen Welt und zu jeder Zeit ähnliche Auswirkungen hat.

Wir hoffen, dass sich durch den non-verbalen Charakter der Kunst, die Grenzen in den Köpfen leichter überwinden lassen und die Bilder einen Teil zu gegenseitigem Verständnis und Toleranz beitragen.

Es ist uns allerdings wichtig unsere Künstler nicht als Opfer von Gewalt und Vertreibung darzustellen, sondern als aktive Menschen, die durch die Kunst Abstand zwischen sich und die Schrecken bringen konnten, die sie erlebt haben.

Rahmenprogramm:

Zur Vernissage wird es ein besonderes Projekt der israelischen Künstlerin Naama Ityel geben: Sie lädt einzelne Menschen in einen geschützten Raum ein und lässt sie fünf Minuten über die Frage reflektieren: HOW IS YOUR LIFE AFFECTED BY WAR?

Begleitend zur Ausstellung gibt es Workshops der teilnehmenden Künstler, einen Dokumentarfilmabend, sowie ein Künstlergespräch und eine Lesung zum Thema Flucht.

Mitwirkende Künstler:

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Basheer Thomas Boti

geboren in Damaskus Syrien, er studierte Fotografie im Lebanon. Er lebt und arbeitet seit 2015 in Berlin. Ausstellungen unter anderem im C/O Berlin - Amerika Haus.

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Keam Tallaa

wurde 1987 in Damaskus, Syrien geboren. Von 2005 bis 2009 studierte sie Kunst mit dem Schwerpunkt Printmaking in Damaskus und arbeitete anschließend bis 2013 als Assistentin an der Fakultät der Schönen Künste der Universität Damaskus. Zur Zeit lebt Keam in Straßburg und studiert an der „High School of Art“ (Painting).

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Mohammad Al Helal

wurde in Daraa, Syrien geboren. Von 2010 bis 2012 studierte er Geschichte an der Libanon Universität in Sahle und von 2012 bis 2015 Bildende Kunst an der Universität in Damaskus. Seit 2015 lebt und arbeitet er in Deutschland.
Er stellte bereits in mehreren Galerien in Damaskus aus.

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Ahmad Karno

ist 1974 in Aleppo, Syrien geboren und arbeitete dort seit 1996 als freier Künstler. Seit zwei Jahren wohnt er in Nürnberg. Von 2008 bis 2010 studierte er an der Fathi Mohammed Akademie für Kunst und war Mitglied des syrischen Künstlerbundes.
Ausstellungen (Auswahl):
Teilnahme am Kunstweltenprojekt der Stiftung Welten Verbinden (2015) sowie Teilnahme am 1st Internationalen Künstler-Symposium „Festival der Farben“ in Wien/Österreich (2016)

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Omar Zalak

wurde in Damaskus geboren und lebt zurzeit im Saarland. Er ist Schreiner und Bildhauer.

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Rima Mardam Bey

absolvierte ein Kunststudium in Bern und in Paris sowie an der Heatherly School of Art, London. Aktuell lebt die Künstlerin in Köln.
Ausstellungen (Auswahl):
Yamama Hotel, Riyadh (1968), Patrick Seale Gallery, London (1981), Einzelausstellung Agial Gallery, Beirut (2000), Kunsthalle im Bezirksrathaus Lindenthal, Artbridge 10 und Artbridge 11, Köln (2015/2016)

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Ludwig Sasse

Geboren 1938 in Dresden, flüchtete 1956 alleine nach Westdeutschland. Lebt als Künstler in Bremen.

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Lieselotte Plangger-Popp (1913-2002)

Studierte bis 1936 an der „Staatlichen Meisterschule für Handwerk“ in Königsberg. Nach Kriegsende studierte sie Grafik an der „Münchner Akademie der bildenden Künste“. Sie arbeitete bis zu ihrem Tod als Grafikerin und Malerin, insbesondere zu Themen wie Flucht und Vertreibung.

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Gertrud Lerbs (1902-1968)

studierte ab 1918 an der Kunstakademie in Königsberg. Arbeitete vor dem Krieg als Grafikerin und stellt unter anderem in Berlin und Düsseldorf aus. Wurde in der Nachkriegszeit eine der bekanntesten Künstlerinnen Deutschlands. Besonders ihre Lithografien zu Flucht und Vertreibung fanden große Anerkennung.

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Gerhard Bondzin (1930-2014)

Flüchtete als Kind aus Ostpreußen. Studierte ab 1948 Malerei in Weimar. Wurde 1970 Rektor der HfbK Dresden. BIs 1993 Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin.

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Eduard Bischoff (1890 - 1974)

studierte 1910-1920 an der Kunstakademie Königsberg. Lebte danach als freier Künstler in Königsberg. 1945 Flucht nach Mecklenburg. Ab 1952 freischaffender Künstler in Gelsenkirchen und Soest.

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Otto A. Brasse (1901 - 1988)

studierte 1920-1925 an der Kunstakademie in Königsberg. Lebte als freischaffender Künstler und Illustrator fast sein ganzes Leben in Berlin. War dort auch 1967-1983 im Brücke-Museum tätig.